Jesus!

September 7, 2010

Am Fenster eines kleinen Holzhauses saß eine alte Dame. Sie konnte kaum noch
laufen und schaffte es nur selten, das Haus zu verlassen. Ihre Kraft reichte
gerade noch, um ihren eigenen Alltag zu bewältigen. Doch nach getaner Arbeit
schaute sie gerne aus dem Fenster aufs Meer. Besonders im Winter war es sehr
interessant. Wenn dann das Wasser zugefroren war, tummelten sich auf dem Eis
die jungen Leute des Dorfes. Ganze Feste wurden auf dem Eis gefeiert. Dann saß
die alte Frau mit leuchtenden Augen in ihrer einsamen Hütte und freute sich.

Auch in diesem Jahr war es wieder soweit. Die Kälte ließ das Wasser
gefrieren. Mit Vergnügen beobachtete die alte Frau die jungen Leute.
Plötzlich stiegen am Horizont dunkle Wolken auf. Ihre Erfahrung sagte ihr,
dass Gefahr drohte. Wenn die Schlechtwetterfront anhielt und ein Sturm
losbrach, konnte das Eis leicht brechen. Dann würden die Eisschollen aufs Meer
hinaustreiben und die Verbindung zum Strand würde abreißen.

Erst beobachtete sie mit großer Sorge die heran kriechenden Wolken. Dann war
der Punkt erreicht, an dem sie wusste, dass die Katastrophe wahr werden würde.
Was sollte sie tun? Gegen den Wind anschreien hatte gar keinen Zweck. Niemand
würde sie hören. Die jungen Leute waren mit ihrer Feier beschäftigt.
Deswegen würde es auch reichen, wenn sie vor die Tür humpelte. Sie überlegte
fieberhaft. Dann fiel ihr eine Lösung ein.

Sie nahm ein dürres Holzscheit und ging damit zu ihrem Ofen. Schnell war das
Holz entzündet. Mit dem brennenden Holzscheit in der Hand humpelte sie zu
ihrem Bett und ihren Gardinen vorbei und setzte sie in Brand. Ihre Kraft ließ
schon nach und so schlich sie langsam aus dem Haus, um sich vor dem schnell um
sich greifenden Feuer zu retten. Sie schaffte es gerade noch den Flammen zu
entkommen. Durch den Wind stand das Haus bald wie eine große Fackel am
Strand.

Das sahen die jungen Leute auf dem Eis sofort. Sie riefen sich zu: “Das Haus
von der alten Frau brennt. Die kann doch kaum laufen. Wir müssen sofort da
hin!“ So schnell sie konnten liefen sie an den Strand. Doch als sie näher
kamen, sahen sie die alte Frau im Sand sitzen. Etwas wehmütig, aber mit
leuchtenden Augen voller Freude schaute sie den jungen Leuten entgegen. Noch
bevor sie fragen konnten, was denn passiert sei, hörten sie hinter sich ein
furchtbares Bersten. Das Eis war gebrochen. Die Eisschollen trieben schnell
aufs Meer hinaus.

Blitzartig begriffen die jungen Leute, was geschehen war. Damit die alte Frau
sie warnen konnte, hatte sie ihr eigenes Haus angezündet. Sie hatte alles was
sie besaß, ja sogar ihr eigenes Leben, dafür eingesetzt, dass sie gerettet
wurden. Alles gegeben.

Was hat diese Geschichte mit Weihnachten zu tun?
Sicher war es wie an Weihnachten auch Winter, doch diese Geschichte zieht noch
einen viel wichtigeren Vergleich. Auch Jesus Christus hat für dich und für
mich alles gegeben.

In der Bibel steht:

„Er (Jesus), der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand,
nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. Im Gegenteil: Er
verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie
ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen“.
(NGÜ: Philipper 2,6-7)

Das ist Weihnachten. Gott selbst, für den weder Zeit noch Raum bedeutend ist,
der vom Daumen bis Zeigefinger den Raum der Sterne ausmessen kann und der
letztlich allmächtig ist, kommt in Jesus hier auf die Erde und wird so klein
wie ein Mensch. In einem Stall liegt er in einem Futtertrog der Stalltiere und
ist davon abhängig, dass Maria, seine Mutter, ihn versorgt.

Später zieht er mit zwölf Freunden durch die Gegend. Der König aller Könige
hat kein Kissen, auf dem er seinen Kopf zur Ruhe legen könnte. Er sagt von sich
selbst:

„Des Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu
dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben“. (NGÜ: Markus
10,45)

Weihnachten ist untrennbar mit Karfreitag verbunden. Der Vers aus Philipper
geht noch weiter: „Aber er erniedrigte sich noch mehr: Im Gehorsam gegenüber
Gott nahm er sogar den Tod auf sich: er starb am Kreuz wie ein Verbrecher“
(NGÜ: Philipper 2,8).

Jesus hat für Dich alles gegeben. ER wurde Mensch, gab seine ganze Ehre und
letztlich auch sein Leben auf.

Wie die alte Dame am Strand tat er das aber, weil er Dich im Blick hat. Er
sieht Dich und andere auf dem Eis stehen und die einzige Möglichkeit Dich vor
dem sicheren Tod zu bewahren war am Kreuz für all das zu sterben, was zwischen
Dir und dem Gott des Lebens steht.

Hast du das schon begriffen? Jesus hat für dich „ALLES“ gegeben, um Dir
ewiges Leben, Frieden mit Gott und letztlich „ALLES“ zu schenken.

© Johannes Ansorge

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